Gemeinde will Germania den Platz kündigen
Von Ingolf Bunge (MOZ)
Schöneiche (MOZ) Die Gemeinde als Sportplatz-Eigentümer und Germania Schöneiche als Pächter sind hoffnungslos zerstritten. Es geht um die Vertrags-Auslegung, um Platzsperren und vieles mehr. Der Verein klagte vor Gericht, die Gemeinde hat unter anderem mit einer Widerklage zwei Mal ein Urteil aufgeschoben; jetzt will sie dem Verein kündigen.
"Wir bereiten die Kündigung vor", sagt Bürgermeister Heinrich Jüttner und spricht von vertragswidrigem Verhalten der Vereinsführung. "Wir halten uns an den Vertrag, Germania nicht."
Das ist umstritten. Vorstandsmitglied Hans Peter Finkbeiner spricht von ständigem Störfeuer aus dem Rathaus, weshalb er eine Klage vor Gericht angestrengt hat, um feststellen zu lassen, wie der Vertrag zu interpretieren ist. Dazu gehört vor allem auch die Frage, ob sich der Verein vorschreiben lassen müsse, auf welchem der beiden Rasenplätze gespielt wird. "Als Mieter einer Wohnung entscheide ich ja auch, ob ich im Wohn- oder im Schlafzimmer übernachte."
Weitere Streitpunkte sind, welche Schlüssel der Verein für das Gelände und die Gebäude dort haben muss und ob und wie weit der Verein seine Räume dort herrichten kann. "Ich habe für den VIP-Bereich einen neuen Fußboden spendiert", sagt Finkbeiner, der die Oberliga-Mannschaft kräftig sponsert. Wegen des neuen Fußbodens und wegen des Austauschs von vereinseigenen Möbeln habe die Gemeinde Widerklage eingelegt. Das Urteil soll nun am 28. April fallen. "Das Verhalten des Bürgermeisters entspricht seiner Vergangenheit als Hausverwalter: Die wollen überall mitreden."
Jüngster Streitpunkt ist der neue Ballfangzaun. Den hat der Verein mit Geld der Gemeinde bauen lassen. Bis das Netz durch ein zertifiziertes Büro abgenommen ist, hatte die Gemeinde den Platz für das vergangene Wochenende kurzfristig gesperrt. Germania spielte dort trotzdem. "Alles nur Gängeleien", sagt Hans Peter Finkbeiner. Auch das andere Ballfangnetz sei nie abgenommen worden. "Diese Netze haben eine werkseigene Abnahme, und laut Angaben des Bauordnungsamtes ist dafür auch keine Baugenehmigung erforderlich. Wird sie aber beantragt, muss auch abgenommen werden."
Bürgermeister Heinrich Jüttner sagt: "Wir haben einen Bauantrag gestellt und auch eine Baugenehmigung bekommen." Allerdings sei das Netz anders ausgefallen, als es abgesprochen war - "der Durchgang für die Speerwerfer der Interessengemeinschaft Leichtathletik fehlt". Eine Baugenehmigung sei erforderlich wie auch die korrekte Abnahme. Dass Germania dies ignoriere, kommentiert er mit den Worten: "Die setzen sich über das Recht hinweg. Das ist Faustrecht, was die praktizieren." Laut Vertrag habe die Gemeinde eindeutig das Recht und bei Gefahrensituationen sogar die Pflicht, den Platz zu sperren. "Wir haben versucht zu kooperieren, doch die sind nicht wirklich an Kooperation interessiert", so Jüttner.
Germania hat die Sportanlage auf 20 Jahre gepachtet - für 500 Euro jährlich (laut Jüttner Betriebskosten) und gegen 1000 Stunden Arbeit auf dem Gelände. Außer der Oberliga-Mannschaft hat der Fußballverein drei F-Jugend-, zwei D-Jugend- und je eine A-, B- und C-Jugend-Mannschaft. "Wir reden nicht nur über Oberliga. Der Jugendbereich ist ein Angebot, das wir der Gemeinde machen und das verkannt wird", so Finkbeiner. Hinzu kommen noch Alten- und Frauen-Mannschaften. "Wird uns der Platz genommen, müssten wir auch die Jugendarbeit aufgeben."
Freitag, 16. April 2010 (www.moz.de 08:44)





